Komplettkurs Buchhaltung für Selbstständige: Teil 1.9. - Die Erfolgsrechnung

Dies ist der 9. Teil unseres Komplettkurses «Buchhaltung für Selbstständige». Dieser Artikel befasst sich mit der sogenannten Erfolgsrechnung - kurz «ER».

Solltest du dich zum ersten Mal mit Buchhaltung befassen, dann starte am besten mit dem 1. Teil unseres Kurses.

Zum Warmwerden: kurze Wiederholung

Buchhaltung besteht im Wesentlichen darin, finanzielle Vorgänge einer Organisation (Unternehmen, Vereine etc.) abzubilden.

Dafür gibt es sogenannte Konten. Jedes Konto hat eine eigene finanzielle Bedeutung, wobei jede Organisation selbst entscheiden muss, welche Konten für ihre Finanzen gebraucht werden.

Ein übliches Konto ist z.B. das Konto «Kasse». «Kasse» bildet den Bestand an Bargeld ab. Wenn man etwas verkauft und man zusätzliches Bargeld bekommt, dann geht der Bestand im Konto «Kasse» nach oben. Man spricht von einer Zunahme.

Es gibt insgesamt vier Kontenarten:

  1. Aktiv-Konten (Vermögenswerte)
  2. Passiv-Konten (Schulden)
  3. Ertragskonten (Einnahmen)
  4. Aufwandskonten (Ausgaben)

Ausserdem ist es so, dass jeder finanzielle Vorgang exakt zwei Konten betrifft.

Im obigen Beispiel mit der «Kasse» haben wir zum Beispiel ein von uns produziertes Produkt verkauft. Nebst der Tatsache, dass wir dadurch mehr Bargeld haben, haben wir einen Ertrag erzielt. Denn wir haben ja schliesslich etwas verkauft. Das dafür geeignete Konto wäre z.B. «Produktionsertrag».

Die finanziellen Vorgänge halten wir in einem Buchungsjournal fest. Hier notieren wir die sogenannten Buchungssätze. Buchungssätze stellen die einzelnen, finanziellen Vorgänge dar und sind nach der Formel:

[Konto Soll] an [Konto Haben] [Betrag]

aufgebaut.

Sollte dir nicht klar sein, was es mit diesem «Konto Soll» und «Konto Haben» auf sich hat, dann sei dir nochmals dringend empfohlen, in dieser Kursreihe zu früheren Artikeln zu springen.

Denn wir legen jetzt los mit der Erfolgsrechnung:

Was ist eine Erfolgsrechnung?

Die Erfolgsrechnung ist eine Gegenüberstellung von Aufwand und Ertrag in einer festgelegten Zeitperiode.

Kurz: Man schaut, ob man in einem bestimmten Zeitabschnitt (z.B. in einem Kalenderjahr) mehr Ertrag als Aufwand erzielt hat (dann hat man einen Gewinn erzielt) oder doch mehr Aufwand als Ertrag (dann hat man für besagten Zeitabschnitt einen Verlust).

Die Erfolgsrechnung ist somit ein wichtiges Dokument, welches die Finanzen einer Organisation darstellt.

Wir kennen ja bereits die Bilanz.

Die Bilanz, selbst auch ein wichtiges Finanz-Dokument, zeigt, wie viel Vermögen und Schulden eine Organisation hat. Es fasst sämtliche Aktiv- und Passiv-Konten zusammen.

Schlussfolgern wir einmal … es gibt ja bekanntlich vier Kontenarten.

Genau! 

Die Erfolgsrechnung fasst sämtliche Ertrag- und Aufwands-Konten zusammen.

Der Unterschied zwischen Bilanz und Erfolgsrechnung

Nebst der Tatsache, dass die beiden Finanz-Dokumente verschiedene Konten-Arten gegenüberstellen, gibt es noch einen weiteren ganz wesentlichen Unterschied.

Die Bilanz ist immer eine Moment-Aufnahme.

So wird eine Bilanz zum Beispiel zum Stichtag 31. Dezember gebildet.

Die Erfolgsrechnung dagegen bezieht sich immer auf eine Zeitperiode. Das kann zum Beispiel ein Kalenderjahr sein, also vom 1. Januar bis zum 31. Dezember.

Wie wir bereits bei der Behandlung der Kontenarten gelernt haben:

Bestandskonten (Aktiven und Passiven) haben einen sogenannten Schlussbestand.

Wie es das Wort beschreibt, also einen Bestand.

Dagegen haben Erfolgskonten (Ertrag und Aufwand) einen sogenannten Saldo.

Am Anfang einer Zeitperiode starten Erfolgskonten immer bei Null.

(Diese Aussage ist je nach Betrachtung nicht ganz korrekt, wir werden später mit der Rechnungsabgrenzung Ausnahmen kennenlernen).

Das Schöne ist:

Die Erfolgsrechnung wird genau gleich wie die Bilanz gebildet.

  1. Saldo der einzelnen Erfolgskonten bilden.
  2. Saldo in die ER übertragen.
  3. Differenz ausrechnen (ergibt Gewinn oder Verlust)

Der Reihe nach im Detail:

So erstellt man eine Erfolgsrechnung

Am Ende schaut eine Erfolgsrechnung so aus:

Wie du erkennen kannst, ganz ähnlich wie die T-Konten und die Bilanz.

Wir haben links die sogenannte «Aufwands-Seite», wo wir sämtliche Saldos der Aufwandskonten notieren und rechts die sogenannte «Ertrags-Seite», wo wir sämtliche Saldos der Ertragskonten notieren.


Beginnen wir mit der Aufwands-Seite.

Hier müssen wir sämtliche Aufwands-Konten abschliessen, sprich in jedem einzelnen Aufwands-Konto die Zunahmen und Abnahmen (Erfolgsminderungen) der festgelegten Zeitperiode ausrechnen.

Die Differenz (also den Saldo) übertragen wir in die ER:

Ganz genau das Gleiche machen wir anschliessend mit den Ertragskonten.

Deren Saldos übertragen wir in die Ertrags-Seite der Erfolgsrechnung:

Es gibt auch für die Erfolgsrechnung eine empfohlene Aufbau-Struktur. Auch ist es möglich, die Darstellung der Erfolgsrechnung anders zu wählen. (Statt links und rechts wird in der realen Welt fast immer eine Darstellung gewählt, bei welcher die Aufwände oben und die Erträge darunter aufgelistet werden.)

Mit beidem wollen wir uns allerdings ein anderes Mal beschäftigen.


Nachdem wir sämtliche Saldos übertragen haben, kann man ausrechnen, ob man für die Zeitperiode einen Gewinn oder einen Verlust erzielt hat.

Mehr Aufwand als Ertrag = Verlust 🙁

Mehr Ertrag als Aufwand = Gewinn 🥳

In unserem Beispiel resultiert ein Gewinn:

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